Niedergang des Anime-Marktes – Betrachtungen aus Sicht eines Fans

So! Etwas mehr als ein Monat ist um, Zeit für einen neuen Blog-Eintrag, zu dem mir ein Thema ins Haus geschneit ist, das mich mal wieder ins Mark trifft: Diejenigen die am Business Anime verdienen, beklagen immer mehr, dass ihre Einnahmen zurückgehen und dass Mitbewerber am Markt die Segel streichen. Diejenigen, die sich Fans nennen, teilweise „schimpfen“ weil sie keine Diskussion mit Argumenten führen können, klagen darüber, dass die Lizenznehmer Animes unsinnigerweise bearbeiten und für „Löhnware“ zu viel Geld verlangen.

Egal aus welcher Ecke argumentiert wird, jeder schiebt irgendeinem Mitschuldigen die Alleinschuld zu und verkennt dabei einfach bestimmte Tatsachen. Ich gebe zu, dass ich nicht allzu viel Ahnung habe von Marktanalysen, darauf basierenden Marktstrategien, Rechteverwaltung von Sende- und DVD-Lizenzen und Urheberrechten, aber ich möchte dennoch einige Argumente beleuchten und auf diese eingehen. Ob das eine weitere „Serie“ wird, vermag ich jetzt am Anfang des Artikels nicht vorherzusagen, aber wenn ihr wollt, lade ich euch herzlich dazu ein, meinen Gedankengängen zu folgen, den ich über die letzten Tage versucht habe in Worte zu fassen.

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich mich mit diesem Thema sehr schwer tue, objektiv zu bleiben. Einerseits bin ich froh darum, dass es Produzenten und Produktionsfirmen gibt, die diese Art der Filme und Serien produziert, andererseits erschrecke ich immer wieder, wenn ich vorgeführt bekomme, wie mit diesen Werken umgegangen wird. Ich will überhaupt nicht behaupten, dass die Animes in ihrer Gesamtheit Kunstwerke sind und besonders geschützt gehören. Aber wenn man sich den Schindluder anschaut, den die Rechteinhaber immer wieder durch Zensur in Bild, Sprache und Gesamtsinn veranstalten, kann man denke ich durchaus verstehen, warum die Konsumenten einfach keinerlei Lust verspüren, für DVD-Veröffentlichungen oder PayTV/Pay-per-View Geld auszugeben, wenn man immer wieder im Fernsehen nur mit zensierten und anderweitig abgewandelten Fassungen abgespeist wird. Ich sage nicht, dass Zensur per se schlecht ist, vor allem deshalb, weil es hier in Deutschland offenbar nur einen Sender gibt, der in einem bestimmten Zeitfenster Animes ausstrahlen kann, in dem die meisten der gekauften Lizenzen nur zensiert verwertet werden können. Sie geht aber vor allem dann zu weit, wenn es andere Serien gibt, die im gleichen Zeitfenster weniger geschnitten werden oder wenn man beginnt, Dialoge zu verändern und bestimmte Worte einfach komplett zu streichen oder vielmehr durch sinnlose und erzwungene Wortverdrehungen die Dialoge abzuschwächen, dass sich jedem, der den ebenfalls hier veröffentlichten Manga, auf dem die Handlung des Animes basiert, die Fußnägel aufrollen.

Nehmen wir doch nur einmal eine beliebige hier im Fernsehen ausgestrahlte Fernsehserie, deren Rechte über US-Lizenznehmer wie 4kids und JETIX (früher bekannt als Fox Kids) bezogen wurden. Wenn hier schon jedweder Japan-Bezug einfach getilgt wird, frage ich mich, warum ich überhaupt einschalten soll, denn diese Verbesserung ist im Grunde nichts weiter als eine Verfälschung. Fragwürdig sind die jedenfalls allemal, fragt man sich doch, warum die amerikanischen Lizenznehmer die ganzen Japan-Bezüge entfernen und sogar in extrem erfolgreichen Serien hingehen und die Namen der Protagonisten ändern und amerikanisieren. Was ist so schlimm daran, dass Pokémon & Co. hauptsächlich in Japan spielen, wenn US-Serien hauptsächlich in den USA spielen und oft andere Kulturen abfällig in Nebensätzen unterbringen.

Im Zuge dieser Gedankengänge ist mir für das deutschsprachige frei empfangbare Fernsehen folgendes aufgefallen: Derzeit gibt es lediglich fünf Serien, die überhaupt im Fernsehen ausgestrahlt werden, gelegentlich einen Ghibli-Film. Alle anderen Serien oder Filme sind nur auf DVD erhältlich, wenn überhaupt. Diese ausgestrahlten Serien sind:

  • Pokémon (RTL2 – dreimal täglich – derzeit Wiederholungen)
  • One Piece (RTL2 – einmal täglich – neue Episoden / Tele 5 – zweimal täglich – Wiederholungen)
  • Naruto (RTL2 – einmal täglich – Wiederholungen)
  • Yu-Gi-Oh! (Tele 5 – einmal täglich – Wiederholungen, weil die Serie abgeschlossen wurde)
  • Mon Kolle Knights (Kabel 1 – einmal wöchentlich)

Jede dieser Serien ist entweder durch US-Lizenznehmer verändert worden (Pokémon, Yu-Gi-Oh!, Mon Kolle Knights, Naruto [Episoden 1-52]) oder wird durch den oder die deutschen Lizenznehmer anderweitig zensiert (One Piece durch TV München, Naruto durch Panini).

Zu der Vielzahl an abgesetzten Serien werden Inu Yasha, Ranma ½ und auch Pretty Cure gezählt, die einfach nicht mehr fortgesetzt werden, obwohl meines Wissens alle Serien direkt aus Japan kamen. Wie soll denn hier ein Markt gehalten werden? Derzeit sieht es wirklich sehr danach aus, dass die deutschen Lizenzabnehmer lediglich das schnelle Geld abgreifen wollen – und das macht es mir als deutschem Fan, der zu wenig Geld für Eigenimporte hat, unglaublich schwer, diesem Hobby weiterhin auf legalem Weg treu zu bleiben. Da ist es doch klar und logisch, dass sich Fans mit Fansubs eindecken und die Lizenznehmer und die Produktionsfirmen langsam aber sicher eingehen, weil ihnen der Markt wegstirbt.

Auch auffällig ist, dass die Sendezeit, mit Serien gefüllt wird, die in den USA produziert werden und versuchen, den typischen „Anime-Zeichenstil“ zu kopieren, dabei aber ohne ernsthafte Handlung aufwarten können. Hat man also als Manga- und Anime-Fan zwangsläufig verschissen? Die Zukunft wird’s zeigen… Derzeit gibt es jedenfalls in qualitativer Hinsicht keine deutschsprachig synchronisierte Fernsehserie, die mich vom Hocker reißt und die ich jederzeit gegen alle „Synchros sind mies“-Trottel verteidigen würde.

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Veröffentlicht am 22. April 2008 in Manga & Anime und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Ja, so ist das. Aber das kenen wir ja alle (also, jedenfalls viele von denen, die das heir lesen).

    Die deutschen Lizenznehmer haben aber auch das Problem, dass die Fernsehsender die Serien nicht wollen. In einem Interview hat ein Mitarbeiter von Panini sich beklagt, dass selbst für Fullmetal Alchemist kein Sender zu finden war. Dabei ist da (so ein Beispiel hast du ja gesucht) würde ich sogar von einer guten deutschen Synchro sprechen, wenn auch nicht perfekt.

  2. Und darin wird wohl das Hauptproblem liegen: Die deutschen Fernsehsender haben entweder (derzeit) generell keinen Platz für Animes oder aber nur Platz, wenn es Kinderserien sind oder sich Animes zu Kinderserien herunterskalieren lassen.

    Inuyasha ist leider auch von dem „endgültigen Aus“ betroffen, wie das deutsche Fanprojekt mitteilt.

  3. Weiß ich auch schon (habs ja in den Artikel geschrieben). Und ich habe denen auch schon mein Beileid ausgedrückt.